Moosgrün & Krakelee – Zu Besuch bei Franziska M. Köllner Keramik

2 Frauen an einem Gasofen

Die Faszination für schöne Teekeramik kommt Hand in Hand mit der Begeisterung für guten Tee. Denn was entspannt mehr, als seinen berauschendsten Tee aus einer atemberaubenden Teeschale zu trinken. Heute stellen wir Dir Franziska M. Köllner Keramik vor. 

Seit mehr als einem Jahr haben wir nun schon Franziska M. Köllners unverwechselbare moosgrüne Teekeramik im Angebot und was sollen wir sagen – kaum haben wir neue Stücke im Regal stehen, sind sie eigentlich schon wieder weg. Denn die Keramik von Franziska ist heißbegehrt. 

Neben ihrer wunderschönen wald- und mintgrünen Teekreamik stellt Franziska auch Einzelstücke in der westlichen Raku-Technik her und an einem milden Tag im Februar durfte Team TEERAUSCH live beim Raku-Brand dabei sein! 

Mit Matcha, Kamera und vielen Fragen im Gepäck machten wir uns auf nach Leipzig um mehr über Franziska M. Köllner Keramik und ihre Arbeit zu erfahren.

Erst einmal zu deiner Person: Wie bist du eigentlich zum Töpfern allgemein gekommen?

Ich habe als Kind schon immer getöpfert und wollte eigentlich nie etwas anderes machen. Mein Vater war Bauunternehmer und hat mir quasi angedroht, dass ich Maurerin werden müsse, wenn das mit der Töpferlehre nicht klappt. Das hat mich natürlich zusätzlich angespornt und so habe ich bereits im Alter von 16 Jahren meine Töpferlehre in Jena begonnen. In der Werkstatt haben auch Menschen gearbeitet, die künstlerisch tätig waren, was bereits ein wichtiger kreativer Einfluss für mich war. In Jena habe ich 8 Jahre lang gearbeitet und bin dann nach Ende meiner Meisterausbildung nach Leipzig zurückgekehrt. Dort konnte ich mein Elternhaus übernehmen und im Erdgeschoss meine Werkstatt einrichten. Seit 1993 arbeite ich dort bereits selbstständig und bekomme so Familie und Beruf gut unter einen Hut.

Teekanne auf brennofen
Seit wann und warum fertigst du Teekeramik? Was fasziniert dich daran?

Als Keramikerin kommt man ganz automatisch in Verbindung mit asiatischen Einflüssen und mich begeistert diese Einfachheit der schlichten Dinge, die aus dieser Richtung kommt, total. Asiatische Keramik ist somit schon ein Vorbild für mich, ich arbeite aber auch immer meine eigene Note mit ein.
Die eben genannten asiatischen Einflüsse spielen vor allem in der Teekeramik eine Rolle und da ich auch schon immer gerne Tee getrunken habe, war das eine logische Entwicklung. Ich nutze sehr gerne meine eigenen Sachen zum Teetrinken, ergänze allerdings auch mit Stücken anderer Keramiker. Spezielleres Geschirr wie z. B. Shiboridashis fertige ich erst seit 3-4 Jahren, als ich Kontakt zu euch und anderen Teeliebhabern hatte. Dank verschiedener Aufträge bin ich dann noch tiefer in die Materie eingestiegen.

Franziska M. Köllner öffnet Brennofen
Franziska M. Köllner Keramik gestapelt
Woher nimmst du deine Inspiration? Bereitest du neue Stücke bewusst vor oder lässt du deiner Kreativität einfach freien Lauf?

Viel Inspiration bietet mir auf jeden Fall das Reisen. Ich war im Februar noch einmal in Thailand und Vietnam, wo ich in verschiedenen Werkstätten auch arbeiten konnte. Das war eine ganz neue Erfahrung. Aber auch die Zusammenarbeit mit verschiedenen asiatischen Restaurants prägt meine Arbeit. Als nächstes großes Reiseziel steht Japan auf meiner Liste und ich hoffe, dass dies bald möglich sein wird.

Ich nehme mir bei meiner Arbeit schon konkret vor, was ich machen möchte. Da ich ja vielfältige Keramiken fertige, brauche ich einen genauen Plan. Beim Arbeiten gibt es aber auch immer viel Freiraum und ich kann meinen Gedanken freien Lauf lassen.

Bitte erzähl uns kurz etwas zu deiner Keramik. Was macht sie in deinen Augen besonders und wie sieht eigentlich der Herstellungsprozess aus?

Die Arbeit beginnt mit der Tonaufbereitung. Mit vollem Körpereinsatz schlage ich die Tonmasse, damit keine Luftblasen im Ton verbleiben. Dann portioniere ich mir die Masse und drehe die Keramik an meiner elektrischen Töpferscheibe. Nach einem Tag sind die Gefäße lederhart und sind nicht mehr verformbar. Dann glätte ich den Boden und füge meinen Stempel ein. Alle Stücke trocknen dann etwa eine Woche lang.

Atelier von Franziska M. Köllner Keramik
eingepackte und gestapelte Tonmasse

Anschließend erfolgt der erste Brand bei 900 °C, der sogenannte Schrühbrand. Dieser erhärtet die Keramik, sie bleibt aber noch porös. Das ist wichtig, damit die Glasur gut aufgenommen werden kann. Nach dem Glasieren und einer weiteren Trockenzeit von einem Tag brenne ich noch einmal bei 1250 °C. So erhalten die Stücke eine gute Haltbarkeit, was sie sogar spülmaschinenfest macht. Aktuell arbeite ich vor allem mit den verschiedenen Grüntönen der Glasuren, welche die Teefarbe sehr harmonisch ergänzen. Die Eiseneinschlüsse in dem von mir verwendeten Ton schmelzen bei den hohen Temperaturen und sorgen für einzigartige Effekte.

Besonders an meiner Arbeit sind vor allem die Raku-Gefäße. Die Raku-Technik ist eine alte asiatische Technik und sorgt für Effekte beim Brennen, die man nur geringfügig beeinflussen kann. Somit haben die Stücke ein ganz eigenes Leben und sind immer absolute Einzelstücke. Das mache ich wirklich gerne. [Hier Link zu ihrem YouTube-Kanal, auf dem Video davon gezeigt wird.

Für diese Raku-Gefäße habe ich zwei separate Öfen, welche mit Gas betrieben werden. Mein Steinzeuggeschirr brenne ich in zwei großen Elektroöfen. Außerdem besitze ich noch einen Ofen in der Toskana, da ich auch dort oft arbeite und Workshops gebe.

rotglühende Teeschalen in Ofen
brennende Teeschalen auf Kopfsteinpflaster
Teeschalen in Metalleimer mit Feuer und Asche
Teeschalen in Eimer mit Asche
Rakuvase Reinigung
Hat sich an deiner Art und Weise, Keramik herzustellen, über die Zeit etwas verändert? Gab es eventuell Einflüsse, die dich geprägt haben?

Auf jeden Fall hat sich meine Arbeit verändert. Es ist auch mein eigener Anspruch, mich über die Zeit hinweg weiterzuentwickeln. So nutze ich meine aktuellen Glasuren bspw. erst seit wenigen Jahren, davor waren es andere.

Auf einer Reise in Mali habe ich mit Frauen vor Ort zusammengearbeitet und selbst Ton ausgegraben, das war noch einmal eine ganz besondere Erfahrung. Einflüsse wie diese sind sehr wichtig und prägen mich in meiner Arbeit. Aber nicht nur das Reisen beeinflusst mich, das können auch ganz andere Aspekte sein, die sich nicht immer in Worte fassen lassen.

angewittertes Notizbuch auf Regal
Franziska M. Köllner beim ausräumen des Brennofens
Gibt es etwas, das du in Zukunft gerne herstellen möchtest oder existieren sogar schon konkrete Pläne?

Aktuell bietet sich ja Vielen die Gelegenheit, darüber nachzudenken, was man vielleicht anders machen würde. Und ich hätte gerne wieder mehr Zeit, um künstlerisch tätig zu werden. Damit meine ich Skulpturen wie z. B. Frauenfiguren oder Büsten, für deren Fertigung ich mir Zeit nehmen muss. Auch wenn ich es liebe, Keramiken wie Teeschalen u. a. zu fertigen, möchte ich das gerne wieder vermehrt einbinden.

Teekanne in Brennofen
Franziska M. Köllner Keramik Werkzeug
Wie kamst du zum TEERAUSCH bzw. wie kam TEERAUSCH zu dir?

Über Instagram wurde ich erstmalig kontaktiert und auf dem Keramikmarkt am Goldenen Reiter in Dresden, welchen ich übrigens sehr mag, hatte ich 2019 dann den ersten persönlichen Kontakt mit Elke. Danach hat es dann nicht mehr lange gedauert, bis ich meine Keramik im Teerausch ausstellen durfte.

Zu guter Letzt: Trinkst du gern Tee? Wenn ja, welchen und gibt es darüber hinaus vielleicht sogar eine kleine Teeweisheit, die du mit uns teilen möchtest?

Ich trinke sehr gerne Tee, vor allem Sencha und Matcha. Letzteren kombiniere ich mir im Sommer auch sehr gerne zu einer Matcha Latte mit Erdbeermus.

Tee bringt mich immer sehr zur Ruhe. Da ich ein kleiner Workaholic bin, erdet mich das Trinken und das weiß ich sehr zu schätzen.

Tontassen an einander gereiht
4 Frauen mit Suppenschale in der Hand
Raku Dose mit Asche
Franziska M. Köllner Atelier in Leipzig
Franziska M. Köllner Keramik vor Atelier

Vielen lieben Dank liebe Franziska für diesen spannenden Einblick in dein Atelier und deine Raku-Öfen. Wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch bei Franziska M. Köllner Keramik und auf die vielen einzigartigen Keramikstücke aus deinen Händen.