Reisebericht Japan 2015

Die Faszination, Tee in seiner ganzen Vielfalt zu erleben, vom Zeitpunkt der Ernte bis zum Aufguss in meiner Tasse, begleitet mich täglich und versetzt mich immer wieder in einen wunderbaren Teerausch. Anfang April 2015 habe ich meine Koffer gepackt, um nach Japan zu reisen.

Ziel meiner Reise war Kyushu, die südlichste Insel Japans. Dort hatte ich die Gelegenheit mit Marimo die Teebauern und ihre Familien persönlich kennenzulernen. Tobias und Dietmar, die beiden Köpfe von Marimo, vertreiben Grüntee, den sie direkt von japanischen Teebauern beziehen. Es sind also teegarten- und jahrgangsreine Teesorten. Durch diese direkte Zusammenarbeit erhalten wir Teesorten mit einem einmaligen Charakter. Jede Teesorte trägt die unverwechselbare Handschrift des Teebauers, der alle Prozesse von der Ernte bis zur Endverarbeitung überwacht und steuert. So unterschiedlich wie die Teesorten sind auch die Menschen, die sie produzieren.
Tobias und Dietmar sind jung und authentisch. Sie leben ihre Begeisterung für japanische Grüntees aus voller Überzeugung und es war eine große Bereicherung, die beiden durch Japan begleiten zu dürfen.

Es geht los.

Nach einem langen Flug lande ich aufgeregt in Kagoshima. Ich bin sehr dankbar, dass mich Tobias und Dietmar direkt vom Flughafen abholen. In den nächsten Tagen begleiten uns außerdem Geli, Olli und Miriam vom Tee Kontor Kiel. Wir alle lieben und leben Tee.
In den wenigen Tagen wachsen wir schnell zu einer tollen Gemeinschaft zusammen. Unsere gemeinsame Reise beginnt in Kirishima.

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Dort lernen wir Familie Hayashi kennen.
Nicht weit von unserem Hotel entfernt besitzt die Familie ein kleines Teefachgeschäft, in dem sie ihre eigenen angebauten Teesorten verkauft. Wir werden herzlich von der Familie empfangen und starten mit einem kleinen Tea Tasting. Das Design des kleinen Ladens begeistert mich. Es ist schlicht, zeitlos.
Im Vordergrund immer das wichtigste Produkt – Tee. Mehr als die Hälfte des Ladens nimmt das Teezimmer ein. Dort sitzen wir gemütlich und sind begeistert von der Qualität und der Frische der Tees, die uns Shutero Hayashi selbst zubereitet. Ich verkoste meinen ersten japanischen Schwarztee. Es wird nicht mein letzter sein. Ich bin beeindruckt von der Sanftheit und den fruchtigen Noten.
Anschließend fahren wir gemeinsam in den Teegarten der Hayashis. Neben Shutero begleitet uns sein jüngerer Bruder Kenji. Wir fahren hoch in die Berge um Kirishima. Die Aussicht auf die umliegenden Täler ist atemberaubend. Ich laufe zum ersten Mal durch einen japanischen Teegarten.


Die frischen Triebe sind auf Grund der Höhenlage noch sehr klein und werden noch bis Ende April auf ihre Ernte warten müssen. Im Teegarten der Hayashis lebt eine Ziege, die sich gewissenhaft um die Unkrautbekämpfung kümmert. Mehr Bio geht nicht.
Die Verarbeitungshalle liegt direkt inmitten der Teefelder. Shutero erklärt uns die einzelnen Maschinen und gibt uns einen Einblick in die Teeproduktion.

Nächster Halt: Miyazaki

Mit dem Zug fahren wir nach Miyazaki. Auf der Fahrt bekommen wir einen ersten Eindruck von der wunderschönen und abwechslungsreichen Landschaft auf Kyushu. Wir fahren durch Bambuswälder, durch kleine japanische Dörfer, an Flüssen entlang bis wir irgendwann das Meer erblicken. Shigeru Morimoto holt uns vom Bahnhof ab. Gemeinsam mit seiner Frau Haruyo und seiner Tochter Youki werden wir in ein traditionelles japanisches Restaurant eingeladen, wo uns eine Vielzahl kleiner Köstlichkeiten, zu Kunstwerken angeordnet, erwarten. Ein unbeschreibliches Genusserlebnis. Wir essen, erzählen und lachen gemeinsam.
Nach dem Essen geht es an den Strand. Viele Austernsucher sind unterwegs. Surfer reiten auf den Wellen. Wir begeben uns in einen kleinen Pavillon auf einer Anhöhe mit Blick auf das Meer. Endlose Weite. Die beiden Morimoto Frauen, Haruyo und Youki, bereiten uns kalten Matcha zu. Diese für mich zu diesem Zeitpunkt noch neue Zubereitungsmethode, bei der das Matchapulver direkt in kaltes Wasser eingerührt wird, ist unkompliziert. Der Geschmack ist frisch und belebend.

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Endlich geht es zu den ersten Teefeldern der Morimotos, die etwas weiter vom Haus entfernt sind. Stolz präsentieren uns Shigeru und Haruyo ihre Arbeit. Wir spüren ihre Hingabe für den Teeanbau. Wir machen einen kleinen Spaziergang durch den Teegarten und erfahren mehr über die einzelnen Strauchsorten. Haruyo zeigt uns einen Bereich mit neuen Stecklingen, die erst gepflanzt wurden. Weiter geht es zum Haus, den Verarbeitungsstätten und den umliegenden Teefeldern. Wir werden in das Wohnhaus eingeladen. Ich bin tief beeindruckt von der Schönheit des Hauses, das sich durch seine typische japanische Eleganz und Schlichtheit auszeichnet. Haruyo serviert uns ihre besten Grünteesorten mit einer von ihr selbst zubereiteten traditionellen japanischen Süßspeise. Das Haus ist von mehreren Teefeldern umgeben und neben dem Wohngebäude wird der frisch geerntete Tee verarbeitet.

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Wir schauen uns alle Maschinen an. Auch hier wird die Ernte noch bis Ende April warten müssen. Shigeru und Haruyo erklären uns alle Einzelheiten ihrer Grünteeherstellung. Ihre Faszination, Begeisterung und Liebe verleihen ihren Teesorten einen ganz besonderen Stempel.

Mit der Fähre nach Yakushima.

Wir betreten diese kleine Insel ganz im Süden Japans. Uns begeistert das unendlich tiefe Grün der umliegenden mit Wald bedeckten Berge. Zu Fuß erreichen wir unser Hotel. Die Zimmer sind im traditionellen japanischen Stil eingerichtet. Der Boden besteht aus Tatamimatten. Die Wände sind mit Papier verkleidet. In der Mitte steht ein schwarzer Tisch, der am Abend zur Seite geschoben wird, um das Bett, bestehend aus einem Futon, zu richten. An mein Zimmer grenzt ein kleiner Wintergarten mit Blick auf das Meer, auf den türkisblauen Fluss und die satten grünen Berge. Mein Paradies. Mit dem Bus fahren wir zu dem Teegarten von Mankichi Watanabe. Die einzelnen Teefelder sind von Wald umgeben. Der kleine Hofladen und die Fabrik sind in unmittelbarer Nähe. Wir bekommen das beste Matchaeis von Mankichis Frau serviert. Ein grüner Wirbelwind mit purem Matchageschmack. Man sagt, in Yakushima regnet es 34 Tage im Monat. Diese Erfahrung machen auch wir. Die nächsten drei Tage regnet es ohne Unterbrechung und wir warten sehnsüchtig auf die angesetzte Teeernte. Endlich erreicht uns der Anruf. Es geht los!

Enthusiastisch fahren wir zum Teegarten. Als wir aus dem Bus steigen, kommt uns schon der Geruch von frischem Tee entgegen. Alle sind in Bewegung. Die Beschattungsnetze werden eingeholt. Die Teebüsche werden mit einem Luftgebläse gesäubert. Die Erntemaschine fährt bereits ihre ersten Reihen ab. Der Anblick des Treibens macht uns alle unendlich glücklich. Wir sind durch und durch berauscht.

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Wir gehen zu Mankichi in die Teefabrik, wo die ersten Blätter bereits gedämpft werden. Der Geruch ist einzigartig. Die Luft ist warm und feucht. Alle Maschinen laufen bereits und warten auf ihren Einsatz. Ich stehe in der Mitte der Fabrik. Drehe mich im Kreis, um jeden Moment ganz genau wahrzunehmen. Ein tiefes Glücksgefühl erfüllt mich. Hier bin ich. Ich lebe meinen Traum.

Den ausführlichen Reisbericht von Tobias und Dietmar findest du hier.

Die Seite liefert dir zudem ausführliches Wissen über die verschiedenen Grünteesorten und deren Herstellung.

 



Elke Werner
– TEERAUSCH –

„Ich lebe meinen Traum.“